„Im Rahmen meiner Facharbeit an der Fachakademie für Sozialpädagogik beschäftige ich mich mit dem Thema „Naturraumpädagogik im Waldkindergarten als Schlüssel zur nachhaltigen Bildung“. Die Idee dazu entstand aus alltäglichen Beobachtungen im Kindergarten: Kinder stellen ständig Fragen zu ihrer Umwelt – und das mit einer Ernsthaftigkeit, die einen manchmal ganz schön ins Schwitzen bringt („Warum müssen wir eigentlich Hände waschen, wenn wir doch nur im Matsch gespielt haben?“). Genau diese Neugier wollte ich aufgreifen und in Form von Experimenten und Projekten vertiefen.
Im Mittelpunkt stand ein offener, situationsorientierter Ansatz. Das bedeutet: Die besten Ideen entstehen nicht am Schreibtisch, sondern mitten im Wald – oft dann, wenn man eigentlich gerade etwas ganz anderes vorhat.
Ein besonders prägendes Beispiel war das Händewasch-Experiment. Aus einer Diskussion entstand die Frage, ob Wasser allein reicht oder ob Seife wirklich notwendig ist. Mithilfe eines einfachen Versuchs mit Pfeffer und Spülmittel konnten die Kinder beobachten, wie sich „Schmutz“ plötzlich wie von Zauberhand zurückzieht. Die Reaktionen reichten von Staunen bis hin zu einem überzeugten „Okay, ich wasch jetzt doch mit Seife“. Mission erfüllt.
Beim Bau einer eigenen Kugelbahn wurde es dann etwas handwerklicher. Die Kinder testeten alles, was ihnen in die Hände fiel: Kugeln, Zapfen, Korken und sogar selbstgebaute Konstruktionen. Schnell wurde klar: Rund läuft einfach besser. Ein Zapfen hingegen hat seinen ganz eigenen Kopf – und rollt genau dahin, wo er will. Die Kinder entwickelten dabei eigene Theorien zu Form, Gewicht und Oberfläche – ganz nebenbei und ohne zu merken, dass sie gerade Physik betreiben.
Auch beim Thema Wasseraufbereitung wurde aus einer matschigen Pfütze plötzlich ein Forschungsprojekt. Die Kinder bauten ein eigenes Filtersystem aus Sand, Steinen und Rinde. Als dann tatsächlich klareres Wasser herauskam, war die Begeisterung groß – auch wenn schnell festgestellt wurde: „Zum Trinken ist das trotzdem nix!“ Spätestens mit der „Zauberkohle“ (Aktivkohle) fühlten wir uns dann wie kleine Wissenschaftler im Outdoor-Labor.
Ein weiteres Highlight war das Experiment mit der Kerze im Glas. Die Kinder beobachteten, wie die Flamme langsam erlischt und das Wasser ins Glas steigt. Kommentare wie „Das Wasser fährt Aufzug!“ zeigten, dass hier nicht nur gelernt, sondern auch kreativ gedacht wurde. Gleichzeitig entstanden spannende Gespräche über Sauerstoff – oder wie die Kinder es nannten: „Baumluft“.
Für große Augen sorgte auch das Gummibärchen-Experiment. Je nach Flüssigkeit wurden die kleinen Bärchen plötzlich riesig, schrumpften oder lösten sich auf. Besonders der Moment, wenn ein Gummibärchen plötzlich dreimal so groß ist, sorgt für ehrliche Begeisterung – und für die berechtigte Frage: „Kann man das noch essen?“ (Antwort: lieber nicht.)
Eine eher ernste, aber sehr eindrückliche Situation ergab sich bei einer spontanen Müllsammelaktion. Nachdem Kinder Glasscherben entdeckt hatten, sammelten wir gemeinsam Müll im Umfeld. Zwischen all dem Abfall fanden wir auch eine Blume – ein kleiner schöner Moment mitten im Chaos. Die Kinder reagierten teilweise mit Wut („Warum machen Leute sowas?“), aber auch mit Stolz auf das, was sie selbst bewirken konnten.
Besonders beeindruckend war, wie stark sich die Kinder gegenseitig motivierten. Ideen wurden weitergetragen, Experimente wiederholt und teilweise sogar zuhause nachgemacht. Lernen entstand dabei ganz natürlich im „Flow“ – ohne Zwang, dafür mit viel Freude und Neugier.
Rückblickend war die Arbeit für mich sehr bereichernd. Besonders gut gelungen ist die Orientierung an den Interessen der Kinder. Eine Herausforderung war es, die richtige Balance zwischen freiem Entdecken und gezielter Begleitung zu finden – und manchmal auch einfach auszuhalten, dass ein Experiment nicht sofort „perfekt“ funktioniert (oder komplett im Matsch endet).
Für meine weitere Arbeit nehme ich mit, wie wichtig es ist, Kindern Raum zu geben, eigene Erfahrungen zu machen – und dass Lernen am nachhaltigsten ist, wenn es mit Begeisterung, Neugier und einer guten Portion Spaß verbunden ist.
Denn am Ende gilt: Die besten Fragen entstehen im Matsch – und die besten Antworten oft auch.“