Was wächst denn da zwischen den Karotten?

Als Waldkind lernt man draußen so einige Pflanzen kennen. Und die Natur kümmert sich in der Regel selbst um ihre vielfältige Vegetation. Doch mit einem eigenen Gemüse- und Pflanzenbeet machen die Kinder ganz neue Erfahrungen. Ein Geduldspiel, bei dem es mehr zu gewinnen gibt als eine leckere Gurke, die natürlich viel besser schmeckt als aus dem Supermarkt.

Es begann schon letzten November. Als die Mitarbeitenden des Bauhofs Hackschnitzel lieferten, um den matschigen Bereich vor der DAV-Hütte trockenzulegen und die Büsche vor der Hütte zu entfernen, lauerte auch schon die nächste Idee. Reiner, von der DAV-Hütte, gab den Anstoß für’s neue Projekt: „Vor der Hütte wäre ja noch Platz für ein Beet!“ Im Frühjahr war es dann soweit. Aus dem brach liegenden Hangstück entstand mit Hilfe der pädagogischen Fachkräfte, der Eltern, der Kinder und Reiner ein liebevoll abgestecktes Beet. Doch das war erst der Beginn des – nicht nur – botanischen Abenteuers!

Die Gemeinschaft besprach sich: „Was wollen wir denn jetzt hier anpflanzen?“ Es kommt eins zum anderen und die Kinder bringen Stecklinge und Samen von zuhause mit: Tomaten, Kürbisse, Gurken, Erdbeeren und sogar Kartoffeln sollen wachsen. Auch ein Kräuterbeet mit Basilikum, Schnittlauch, Salbei und Pfefferminze entstand und hier und da Sonnenblumen, die im Juli schon die 2-Meter-Marke knackten.

Doch damit alles schön wachsen kann, muss das Beet auch gepflegt werden. „Wie oft müssen wir gießen?“, „Woher nehmen wir das Wasser?“ und „Was wächst denn da zwischen den Karotten?“ – Die Neugier war groß! Die meiste Zeit spielen die Kinder zwar im ca. 1 km entfernten Waldstück, doch immer wieder ruft die Pflicht und die Kinder machen sich gemeinsam auf den Weg, um beim Beet vorbeizuschauen, um zu gießen und Beikraut zu entfernen, Tomaten auszugeizen oder die umgefallene Bohne wieder aufzustellen. Aber vor allem, um den Fortschritt zu sehen, ob und wann endlich wieder etwas reif ist, das man naschen kann.

 

Kann Man Das Essen oder Kann das Weg?

Aber was wächst denn nun zwischen den Karotten? Nun ja, das mit der Brennnessel war einfach! Wer sich mal daran gebrannt hat, vergisst nicht, wie die heißen. Wie man die entfernt, ohne sich zu brennen, wissen die Kinder auch schon. Einfach von unten nach oben streichen und raus damit. Aber was ist diese andere Pflanze? „Wir haben doch eine App, die uns helfen kann, das rauszufinden!“ Die Flora incognita. Sofort macht sich eines der Kinder daran Blüte und Blätter zu scannen. Die App ist sich ziemlich sicher, dass es stumpfblättriger Ampfer sein muss. Aber kann man den Essen? Man kann, aber man sollte aufpassen mit der Oxalsäure, da zu viel davon den Mineralstoffhaushalt durcheinanderbringt. Also lieber raus damit, damit die Karotten gut wachsen können.

Ein weiteres digitales Werkzeug, das während des Beetprojektes erstmals zum Einsatz kam, war der
Book Creator. Inspiriert von Meikes Pflanzen-Lexikon-Projekt bei den Waldkindern Regensburg griff auch Katrin zum Tablet, um sich die App genauer anzusehen. Hiermit lassen sich digitale Bücher erstellen aus den Bildern, Audioaufnahmen und Skizzen der Kinder, um ihre Entdeckungen zu dokumentieren. Die Kinder nennen es jetzt das „Kräuterbuch“. Die Brennnessel und die Schafgarbe sind bereits dokumentiert, aber es warten noch viele weitere Pflanzen darauf entdeckt und archiviert zu werden.

Neben den Karotten gab es aber noch etwas zu entdecken: ein Loch! Gibt es hier etwa Wühlmäuse, oder vielleicht einen Maulwurf? Das tierische Rätsel konnte mit Hilfe von Markus Gastl aufgelöst werden, der als Vertretungskraft sein Naturwissen mit den Kindern teilte. Es wurde beobachtet: Ist es nach ein paar Stunden wieder zu gebuddelt, ist es vermutlich eine Wühlmaus, denn die mögen keine Sonne. Aber bei der Abholzeit war das Loch noch offen – zum Glück, denn der Maulwurf ist mehr an den Regenwürmern, als an den Karotten interessiert. Aber er hat wohl an den Gurken genascht, was sich im Bissspurenvergleich herausstellte. Immerhin hat er dafür das Erdbeerbeet etwas aufgelockert. Die angebissene Gurke wurde dann großzügig ausgeschnitten und ein Teil dem Maulwurf überlassen. Schließlich teilen die Waldkinder gerne und lernen dabei selbst ganz viel über das Miteinander von Mensch und Tier.


Und was war jetzt mit dem Wasser? Ein wichtiges Thema! Vor allem bei großer Trockenheit. Mit Hilfe der Kinder, Reiner und den Eltern klappt es ganz gut, dass regelmäßig jemand vor Ort ist, um die Pflanzen zu wässern. Das Wasser nehmen die Waldkinder aus ihrem 1000 Liter fassenden Wassercontainer, eine Spende an den Waldkindergarten. Befüllt wird der von der Feuerwehr. Ein kurzer Anruf genügt und der Termin zur Befüllung steht.  Wenige Tage später rückte das Einsatzfahrzeug an, um den Wassertank wieder zu füllen. Allerdings mit etwas Verspätung, da sie zuvor noch ein brennendes Feld löschen mussten. Nach diesem aufregenden Highlight war es auch höchste Zeit, mit Hacke und Gießkanne ausgerüstet, den trockenen Boden zu lockern und die Pflanzen zu wässern.


Später im Abschlusskreis ging das Helferkind mit der frisch geernteten, aufgeschnittenen Gurke von Kind zu Kind und alle waren sich einig: Die Gurke aus dem eigenen Beet schmeckt viel besser als die aus dem Supermarkt! Mit den Händen in der Erde und der Gurke im Mund wirkt nachhaltige Ernährungsbildung eben doch am besten!

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